Büchereiverein Suchsdorf e.V.

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Stellungnahme des Büchereivereins Suchsdorf e.V. zum Bestand der Stadtteilbücherei Suchsdorf
April 2007

Nachdem die Ratsversammlung der Stadt Kiel die Schließung der Stadtteilbücherei Suchsdorf zum Zwecke der Einsparung städtischer Mittel im Jahre 2007 beschlossen hat gründete sich im Januar 2006 der Büchereiverein Suchsdorf e.V. mit dem Ziel, die Stadtteilbücherei Suchsdorf zu erhalten.

Der Büchereiverein Suchsdorf e.V. hat die aktuelle Situation der Stadtteilbücherei Suchsdorf bezüglich der Möglichkeit einer ehrenamtlichen Übernahme geprüft und fasst hier als Grundlage von Verhandlungen mit der Stadt Kiel die Situation zusammen.

Sachstand und rechtliche Grundlage
Die Ratsversammlung der Stadt Kiel hat aus finanziellen Gründen die Schließung mehrerer Stadtteilbüchereien beschlossen. Ein Zusatzbeschluss legt fest, dass die Schließung vorbehaltlich der ehrenamtlichen Übernahme der Stadtteilbüchereien erfolgt.

Nach aktueller Beschlussfassung de Ratsversammlung erfolgt die Schließung der Stadtteilbücherei Suchsdorf im Jahre 2007 sofern keine Einigung über eine ehrenamtliche Übernahme möglich ist.

Der Eingemeindungsvertrag zwischen der Stadt Kiel und der ehemaligen Gemeinde Suchsdorf von 1956 legt in § 8 (3) eine Fortführung der ehemaligen Gemeindebücherei als Zweigstelle der Stadtbücherei fest. Dem Ortsbeirat wird in §7 (2a) das Recht zugestanden „die Erfüllung der von der Stadt Kiel übernommenen Verpflichtungen zu überwachen und bei der Durchführung mitzuwirken“.

Während andere Regelungen des Eingemeindungsvertrages bewusst zeitlich begrenzt wurden, ist dieses bei einigen Regelungen wie z.B. bei § 8 (3) nicht der Fall. Dieses impliziert, dass diese nicht befristeten Regelungen vertraglich bewusst unbefristet geschlossen wurden.

Die Stadtverwaltung hat den Ortsbeirat zwar über die Schließungspläne informiert, ihm aber keinen Prüfungsauftrag bezüglich des Eingemeindungsvertrages gegeben und nicht die Zustimmung des Ortsbeirates erbeten bzw. erhalten.

Der Beschluss der Ratsversammlung verstößt damit gegen die Vereinbarungen des Eingemeindungsvertrages. Bei tatsächlicher Schließung der Stadtteilbücherei Suchsdorf ist diesbezüglich mit rechtlichen Schritten gegen die Stadt Kiel zu rechnen.

Größe der Stadteilbücherei Suchsdorf
Die Stadtteilbücherei Suchsdorf ist mit über 65.000 Ausleihen in 2005 eine große Bücherei. Im Vergleich zu den Stadtteilbüchereien Holtenau (26.000 Ausleihen) und Neumühlen (20.000 Ausleihen), die beide seit 2006 ehrenamtlich geführt werden, hat Suchsdorf damit etwa das 2,5 bis 3,5 fache an Ausleihen.

Umgerechnet auf die Öffnungszeiten entspricht das einer Ausleihquote von ca. 100 Medien pro Öffnungsstunde.

Der anfallende Arbeitsaufwand für das Personal verhält sich proportional zu den Ausleihen, Andere Faktoren wie räumliche Größe oder Größe des Medienbestandes fallen hier nicht ins Gewicht.

Wenn die Erfahrungen der Vereine in Holtenau und Neumühlen in der praktischen Arbeit auf Suchsdorf übertragen werden, so muss damit bedacht werden, dass der Arbeitsaufwand in Suchsdorf 2,5 bis 3,5 mal so hoch wie in Holtenau bzw. Neumühlen sein wird und entsprechend mehr geeignetes ehrenamtliches Personal beteiligt werden müsste.

Zukunftsaussicht für die Stadtteilbücherei Suchsdorf
Während die meisten Stadtteilbüchereien in den Jahren 2000 bis 2005 ein kontinuierliches leichtes Sinken der Ausleihzahlen zu verzeichnen haben, sind die Ausleihzahlen in Suchsdorf zwischen 2000 und 2005 kontinuierlich um insgesamt 15,6% gestiegen.

Hier wieder zum Vergleich: Neumühlen hat von 2000 bis 2005 einen Rückgang um 44,7%, Holtenau um 36,4%.

Besonders auffällig ist hier das Jahr 2005. Hier wurden in allen zur Schließung anstehenden Stadtteilbüchereien die Öffnungszeiten reduziert. Diese Reduzierung hat in den meisten betroffenen Büchereien zu erheblichem Rückgang der Ausleihzahlen gegenüber 2004 geführt. Holtenau hatte in 2005 24,8% Rückgang, Neumühlen 33,2%. In Suchsdorf blieben die Ausleihzahlen trotz Reduzierung der Öffnungszeiten konstant (+0,3%).

In den Monaten Januar bis Mai 2006 stiegen die Ausleihzahlen in Suchsdorf wiederum, diesmal um ca. 7,5% gegenüber 2005. Diese erheblichen Zuwachsraten erforderten eine teilweise Rücknahme der Reduzierung der Öffnungszeiten in 2006.

Suchsdorf ist ein stark wachsender Stadtteil, wobei durch das Neubaugebiet Suchsdorf an der Au und den Generationenwechsel im alten Suchsdorf die Anzahl der Kinder und Jugendlichen unproportional stark steigt. Das Neubaugebiet ist zu ca. 2/3 bebaut, 1/3 der Wohneinheiten werden in den nächsten Jahren noch bezogen.

Bezüglich des Generationenwechsels ist zu beachten, dass es in Suchsdorf auch in den letzten Jahrzehnten einen gegenüber anderen Stadteilen deutlich stärkeren Zuwachs der Einwohnerzahlen gab, und dass dieser durch mehrere sehr große Neubaugebiete zustande kam, die zwischen 1960 und 1990 errichtet wurden. Entsprechend stark ist zur Zeit der Generationenwechsel in Suchsdorf, der auch noch viele Jahre anhalten wird.

Ab 2007 wird das Neubaugebiet „Olaf Palme Damm“, mit ca. 300 Wohneinheiten etwa halb so groß wie das Neubaugebiet „Suchsdorf an der Au“, bebaut und bezogen. Dieses Neubaugebiet gehört zwar zum Stadtteil Projensdorf, aufgrund der Nähe, der besseren Verkehrsanbindung und des attraktiveren Angebots (die Bücherei Suchsdorf hat auch einen Erwachsenenbereich) gegenüber der Kinderbücherei in der Wik ist mit zusätzlicher Nachfrage aus diesem Wohnbereich zu rechnen.

Nach demografischen Erfahrungswerten ist davon auszugehen, dass der aktuell bereits stark gestiegende Anteil an Kindern und Jugendlichen, der zur Steigerung der Ausleihzahlen der Stadtteilbücherei Suchsdorf führte, in den nächsten 5 Jahren weiter steigen und in den nächsten 10 Jahren nicht wesentlich sinken wird.

Arbeitsaufwand in der Stadtteilbücherei
Der Bücherei Suchsdorf sind im Stellenplan 2004 2,5 Planstellen, entsprechend 96 Wochenarbeitsstunden zugeteilt; die Öffnungszeit betrug 2004 19 Stunden pro Woche. Mit Reduzierung der Öffnungszeit auf 15 Stunden pro Woche werden zurzeit in Suchsdorf 2,35 Planstellen entsprechend 90 Wochenstunden eingesetzt.

Bei einer Öffnungszeit von 15 Stunden besetzt mit zwei Kräften (= 30 Stunden) ergibt sich mit verbleibenden 60 Wochenarbeitsstunden ein erheblicher Arbeitsaufwand außerhalb der Öffnungszeiten.

Wenn man die nötigen Arbeitsabläufe in der Stadtteilbücherei analysiert und berechnet, dass diese Arbeiten zukünftig von hierzu nicht ausgebildeten Kräften geleistet werden sollen, die jeder für sich eine geringere monatliche Arbeitszeit als die bisherigen angestellten Kräfte leisten, so ist davon auszugehen, dass im ehrenamtlichen Betrieb gegenüber dem Betrieb mit angestellten Kräften 30 bis 50% mehr Arbeitszeit geleistet werden muss.

Die Erfahrungen der Büchereien Holtenau und Neumühlen bestätigen dieses. Hier konnte eine große Anzahl ehrenamtlicher Kräfte (Neumühlen ca. 20) gefunden werden, von denen die meisten aber regelmäßig nur eine geringe Anzahl von Wochenstunden leisten.

Hiermit müsste in Suchsdorf ehrenamtliches Personal in der Größenordnung 120 bis 140 Wochenstunden gefunden werden.

In der Größenordnung der Stadtteilbücherei Suchsdorf ist der Anteil der nötigen administrativen Arbeit, die sinnvoll und effektiv nur von einer leitenden Person plus einer Stellvertretung geleistet werden kann hoch. Hier müssten 1-2 Personen gefunden werden, die fachlich geeignet und in der Lage sind, langfristig eine erhebliche regelmäßige Arbeitszeit ehrenamtlich zu erbringen.

Einschätzung der Möglichkeiten / Angebot an die Stadt Kiel
Der Büchereiverein Suchsdorf e.V. hält eine komplette Übernahme der Stadteilbücherei Suchsdorf aufgrund der Größe der Stadtteilbücherei, der damit verbundenen langfristig nötigen Anzahl ehrenamtlicher Kräfte und angesichts der Tatsache, dass sich die Akzeptanz der Bücherei im Stadtteil in den nächsten Jahren eher noch erhöhen wird, für nicht realistisch durchführbar.

Hinzu kommt die Tatsache, dass die Stadt Kiel vertraglich verpflichtet ist, die Stadtteilbücherei Suchsdorf als Zweigstelle der Stadtbücherei weiter zu führen.

Zur Reduzierung der Kosten schlagen wir eine Unterstützung der Fachkräfte durch ehrenamtliche Kräfte des Büchereivereins Suchsdorf vor. Hierdurch wird eine Reduzierung des nötigen Personals und damit eine erhebliche Reduzierung der Kosten möglich sein.

Gleichzeitig würde eine solche Regelung unter der Voraussetzung der Zustimmung des Ortsbeirates Suchsdorf den vertraglichen Vereinbarungen des Eingemeindungsvertrages genügen.

Der Büchereiverein Suchsdorf e.V. bietet der Stadt Kiel seine Unterstützung in der Fortführung des Betriebs der Stadtteilbücherei Suchsdorf unter folgenden Eckpunkten vor:

  1. Die Stadtbücherei bleibt auch nach 2007 Träger und Betreiber der Stadtteilbücherei Suchsdorf.
  2. Das bisherige Angebot und die bisherigen Öffnungszeiten bleiben erhalten.
  3. Die Stadtbücherei reduziert das in Suchsdorf eingesetzte Personal auf eine Vollzeitstelle, besetzt mit einer oder zwei Fachkräften.
  4. Der Büchereiverein Suchsdorf e.V. stellt das hierüber hinaus zum Betrieb der Stadtteilbücherei nötige Personal durch eigene Kräfte auf ehrenamtlicher Basis.
  5. Nach zwei Jahren des Betriebs wird von beiden Seiten überprüft, ob eine Erweiterung des ehrenamtlichen Engagements möglich ist.

Einsparungspotential für die Stadt Kiel
Nach unserer Einschätzung und den uns vorliegenden Zahlen ergibt unser Angebot ein erhebliches Einsparungspotential für die Stadt Kiel.

Die Stadtteilbücherei Suchsdorf verursachte 2004 Kosten in Höhe von 147.000 Euro, zieht man die Einnahmen (Benutzer- und Säumnisgebühren in Höhe von ca. 7000 Euro) ab, so verbleibt ein Zuschussbedarf in Höhe von 140.000 Euro.

An Personalkosten fielen ca. 109.000 Euro an, der Medienetat betrug 2004 12.980 Euro. Die sonstigen Kosten (Gebäude, EDV, Reinigung etc.) belaufen sich damit rechnerisch auf ca. 18.000 Euro.

Der wesentlichste Anteil der Kosten liegt damit im Personal.

Rechnerisch ergeben sich bei Annahme des Angebotes des Büchereivereins und bei Reduzierung des Medienetas auf 10.000 Euro folgende Kosten:

Allgemeine Kosten: 18.000 Euro

Personalkosten (1 Stelle Bibliothekar(in)): 52.000 Euro

Förderung Personalkosten durch Büchereiverein Land (18%): - 9.360 Euro

Medienetat: 10.000 Euro

Einahmen (Benutzer- und Säumnisgebühren) - 7.000 Euro

Gesamt 63.640 Euro

Damit ergibt sich ein Einsparungspotential in Höhe von 45%.

 

 

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